Interview Stephan Kropp und Michael Rosbach | „Mehr Freiheit für die Kapitalanlage“
Ist das neue System besser als die bisherige Riester-Rente?
Michael Rosbach: Auf den Punkt gebracht: Ja! Denn, beim neuen Altersvorsorge-Depot gilt der Grundsatz: Weniger Garantie und mehr Kapitalmarkt. Wenn ein Anleger eine Garantie wünscht, gibt es sie zwar weiterhin, sie ist aber nicht mehr verbindlich. Die Konsequenz: Die Geldanlage kann sich freier entfalten und genießt insofern mehr Freiheiten. Das bedeutet im Klartext: Höhere Renditechancen. Auch die Förderung ist einfacher geworden und der Kreis der Förderberechtigten hat sich erweitert, da neben wirtschaftlich Selbständigen auch Beamte dazukommen. Weiteres Plus: Die Sparerinnen und Sparer können auch flexibler über die Art der Auszahlung entscheiden. Sie können wählen, ob sie über das angesparte Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt, mit einem Auszahlplan bis mindestens zum Alter 85 verfügen möchten, oder ob sie in der Form einer Leibrente regelmäßige lebenslange Auszahlungen erhalten wollen.
Wichtig ist, dass die Sparerinnen und Sparer sich Zeit und Ruhe für ihre Entscheidung nehmen.
Leiter Vorsorge und Vermögensaufbau
Wie sieht die Förderung aus?
Stephan Kropp: Für bis zu 1.800 Euro Einzahlungen pro Jahr kommen Zulagen bis zu 540 EUR zum Sparbetrag durch den Bund hinzu, und zwar einkommensunabhängig. Die Förderung ist zudem in den meisten Fällen attraktiver als bei Riester. Auch kann unter bestimmten Voraussetzungen der Sonderausgabenabzug auf alle Jahresbeiträge inkl. Zulagen höher ausfallen, als dies bei Riester der Fall war. Doch das neue Altersvorsorge-Depot ist nicht für alle Förderberechtigte unbedingt besser: Bei der Riester-Rente kann bei Sparenden mit mehreren Kindern und geringerem Einkommen eine vergleichsweise höhere Förderung erzielt werden. Was im Einzelfall auch mit Blick in die Zukunft vorteilhafter ist, muss man genau prüfen und am besten bei einer Sparkassen-Beratung besprechen. Es besteht ja auch weiterhin die Möglichkeit, Riester wie bisher fortzuführen oder mit der neuen Förderung zu beginnen. Eine weitere Möglichkeit ist, den bisherigen Bestand von Riester in einen neuen Vertrag zu übernehmen. Wichtig ist, dass die Sparerinnen und Sparer sich Zeit und Ruhe für ihre Entscheidung nehmen, denn das alles kann auch noch im Laufe des Jahres 2027 in die Wege geleitet werden.
Garantie oder keine Garantie? Was ist für wen besser?
Michael Rosbach: Eine Pauschalaussage ist hier nicht angebracht. Vielmehr muss immer der Einzelfall geprüft werden. Generell gilt: Eine Anlage ohne Garantie ist vorteilhaft für einen langen Zeithorizont, zum Beispiel für Berufseinsteiger, die zwanzig Jahre und mehr einzahlen werden. Oder auch für diejenigen, die Schwankungen der Kapitalmärkte nicht stören, weil sie wissen, dass Aktienprodukte auf lange Sicht gute Rendite geliefert haben. Produkte mit Garantie eignen sich für Menschen kurz vor dem Renteneintritt, für alle mit einer relativ kurzen Ansparphase, oder für die, die äußerst sicherheitsbewusst sind. Für die ist Planungssicherheit dann wichtiger als die Renditechance. Ein guter Kompromiss ist ein Lebenszyklusmodell. Dann wird mit zunehmenden Alter der Aktienanteil sukzessive verringert und in sicherheits-orientierte Produkte umgeschichtet, bzw. bei Abschluss bereits mit weniger Risiko gestartet.
Welche Produkte dürfen ins Altersvorsorge-Depot aufgenommen werden?
Michael Rosbach: Der Gesetzgeber hat für alle Anbieter eine Produktliste vorgegeben. Danach sind Investmentfonds, ob aktiv oder passiv, zugelassen. Dazu kommen einzelne Anleihen und Geldmarktprodukte. Ausgeschlossen sind wiederum Aktien, Hebelprodukte und Zertifikate.
Anbieter werden Versicherungen, Investmentgesellschaften, Neo-Broker oder sogar der Staat sein. Macht die Art des Anbieters einen Unterschied?
Michael Rosbach: Absolut. Wir gehen davon aus, dass Versicherungen Produkte in einem Versicherungsmantel anbieten, zum Beispiel in Form einer fondsgebundene Lebensversicherung. Neo-Broker werden eher auf standardisierte Produkte setzen, die besonders unkompliziert über das Internet angeboten werden. Wir als Wertpapierhaus der Sparkassen werden unsere Kompetenzen sowohl als Vermögensverwalter als auch als erfahrene Schnittstelle betonen, die staatliche Förderung administrieren kann. Konkret bedeutet das, dass wir auf individuelle Lösungen setzen, zum Beispiel mit den schon erwähnten Lebenszyklus-Modellen. Wofür sich Anlegende entscheiden hängt davon ab, welche Kenntnisse sie haben und ob sie Selbstentscheider sind oder Beratung in Anspruch nehmen möchten. Die Deka wird zusammen mit den Sparkassen eine umfassende Beratung anbieten, um allen Anlegerinnen und Anlegern den Zugang zu guten Konzepten zu ermöglichen.
Das Thema Standardprodukt wurde schon angesprochen. Was muss das Standardprodukt können?
Stephan Kropp: Es muss in erster Linie die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Dazu sollten wir die erwähnten drei Kernpunkte nochmals aufgreifen: (1) Rente, also Auszahlung, (2) Garantie und (3) Förderung. Die Förderung gilt für Standardprodukte wie auch für zugeschnittenere Produkt-Lösungen gleichermaßen. Eine Garantie darf es beim Standardprodukt jedoch nicht geben. Für die Auszahlung ist ein Auszahlplan bis mindestens zum Alter von 85 vorgeschrieben. Eine Leibrente, also Zahlung bis ans Lebensende, gibt es hier nicht. Zudem ist das Standardprodukt auf zwei Fonds reduziert, einen renditeorientierten, der also mehr auf Aktien setzt und einen stabilitätsorientierten, in dem nur Zinstitel enthalten sind. Diese zwei Fonds kommen ins Altersvorsorge-Depot. Der Kunde kann auf Wunsch laufend das Mischungsverhältnis bestimmen. Ansonsten muss automatisch gegen Ende der Ansparphase in zwei Schritten vom Anbieter in den risikoärmeren Rentenfonds umgeschichtet werden.
Wenn Kunden mehr Flexibilität möchten, können sie aus einer Liste von Fonds mehrere Produkte auswählen. Es werden ihm aktive und passive Fonds, also ETFs, angeboten. Was bedeutet das für Ihr Angebot? Die Gebühren je Vertrag dürfen die Kosten von einem Prozent nicht überschreiten.
Stephan Kropp: Wir als Wertpapierhaus der Sparkassen bieten unseren Kundinnen und Kunden und Sparkassen einerseits ein kostengünstiges und andererseits ein individualisierbares Angebot an. Egal für welche Lösung sich am Ende entschieden wird: Es wird für alle ein attraktives Angebot geben. Das kann im Standardprodukt rein auf passiver Basis mit ETFs erfolgen, das kann auf der anderen Seite auch mit aktiven Fonds dargestellt werden. Die genaue Ausgestaltung erarbeiten wir zurzeit. Idealerweise kann ein weitergehendes Angebot auch ein Managementkonzept beinhalten, mit dem im Zeitverlauf stärker eingegriffen wird, wenn es mit Blick auf das Ende der Ansparphase sinnvoll erscheint, das Risiko aus dem Depot zu nehmen. Die Sparkassen werden ihre Kunden beraten, welche Gestaltungsmöglichkeit für sie am besten ist.
Wer mehr sparen möchte und kann, hat auch einen steuerlichen Vorteil.
Leiter Vertriebsstrategie und Marktinitiativen
Die Förderung ist auf einen Betrag von 1.800 EUR begrenzt, grundsätzlich können Kundinnen und Kunden auch mehr sparen als gefördert wird. Wie beraten Sie?
Michael Rosbach: Grundsätzlich ist es immer positiv, Geld fürs Alter zurückzulegen, um die Lücke zwischen Rentenzahlung und Arbeitseinkommen nicht zu groß werden zu lassen. Wer mehr sparen möchte und kann, hat auch einen steuerlichen Vorteil. Denn die Abgeltungssteuer, die bei einem normalen Sparplan anfällt, wird im Altersvorsorge-Depot erst mal nicht erhoben. Wenn es dann zur Auszahlung kommt, wird der Wertzuwachs zur Hälfte besteuert. Das ist attraktiv, vor allem weil dann auch der persönliche Steuersatz generell niedriger liegen dürfte. Allerdings kann man die Frage nicht pauschal für jeden beantworten.
Kann ich meinen bisherigen Fondssparplan einfach ins Altersvorsorge-Depot überführen, so wie ich es mit meinem Riester-Bestand machen kann?
Stephan Kropp: Das ist leider so nicht möglich. Es muss ein separater Vertrag für die Altersvorsorge abgeschlossen werden, um die Förderung zu erhalten. Das ist ganz einfach im bestehenden DekaBank-Depot als Unterdepot möglich. Sie können dann ihren bisherigen Fondsparplan beispielsweise stornieren und das Geld künftig in den neuen Vorsorgevertrag einzahlen. Was individuell vorteilhaft ist und vor allem zu den persönlichen Sparzielen passt, sollte im Vorfeld genau geprüft werden. Es wird sicherlich auch bis zu Beginn der neuen privaten Altersvorsorge und danach noch mehr Informationen und Orientierung geben. Das sollte man genau im Blick behalten und bei Fragen den Rat der Sparkasse suchen.
