Interview mit Sahand Taghizadeh | „Wasser hat Zukunft”
Themen-ETFs sind bei Anlegerinnen und Anlegern beliebt. Welche Voraussetzungen muss ein Thema erfüllen, damit Sie das in einen Index gießen?
Entscheidend ist, dass zu jedem Thema ausreichend hochwertige Daten zur Verfügung stehen. Denn ein Index basiert auf festgelegten Regeln und baut auf Informationen auf, die für Anleger transparent und zugänglich sind. Dadurch wird ein Index nachvollziehbar. Hinzu kommt das Interesse an dem Thema. Diese Faktoren bilden die Grundvoraussetzung.
Daten bedeutet konkret, dass es Aktien von Firmen gibt, die in dem Thema tätig sind. Wie viele Aktien brauchen Sie denn? Der S&P 500 umfasst, wie der Name sagt, 500 Aktien. Für den DAX sind es 40 Aktien. Gibt es eine Mindestzahl?
Allgemein gesprochen: Die Mindestzahl der Komponenten ist flexibel und ergibt sich aus den festgelegten Indexregeln. Wir verfolgen den Ansatz eine ausreichende Diversifikation zu gewährleisten, damit keine Aktie eine zu hohe Gewichtung hat. Man kann diese Kriterien mit mindestens sechs Unternehmen abbilden, die gängige Praxis aber ist, dass es wenigstens zwanzig Firmen sind. Um die Handelbarkeit und die Liquidität zu gewährleisten, kann es auch mal nötig sein, eine Obergrenze zu setzen.
STOXX berechnet insgesamt rund 18.000 Indizes, unter den Marken STOXX und DAX. Die Menge erklärt sich zum Teil daraus, dass sie von Indizes verschiedene Varianten berechnen, zum Beispiel mit oder ohne Dividendenberücksichtigung. Wenn es um Themen-Indizes geht: Wie viele haben Sie in Ihrem Angebot?
Es mag sich gering anhören, wir haben Indizes zu insgesamt 65 Themen. Im Vergleich zu unseren Wettbewerbern sind wir damit sehr gut aufgestellt und haben die Möglichkeit, sehr schnell neue und innovative Indexkonzepte zu entwickeln.
Dann schauen wir uns den neuen STOXX Future Water ESG Index genauer an. Er umfasst Firmen, die sich im weitesten Sinn mit der Wasserversorgung beschäftigen. Das ist nicht der erste Wasserindex. Die gibt es seit vielen Jahren. Salopp gefragt: Was können Sie besser?
Das Thema Wasserversorgung hat angesichts weltweiter Knappheit und zunehmender Verschmutzung Zukunft. Es geht nicht nur um die Wasserversorgung und -veredelung im klassischen Sinn, sondern wir schauen uns auch Firmen an, die spezielle Technologien in Bezug auf Wassermanagement anbieten. Bei der Aufnahme in den Index unterscheiden wir daher zwischen zwei Gruppen: Unternehmen, die einen bestimmten Umsatz in dem Bereich „Wasser" generieren sowie Firmen, die Patente in diesem Segment registriert haben und derzeit wenig oder kaum Umsätze erzielen (da die patentierte Innovation am Anfang der Wertschöpfungskette steht). Darum der Titel „Future" im Indexnamen. Diese Kombination von Umsätzen und Patenten macht den Index einzigartig. Außerdem sind wir nicht auf Europa beschränkt, sondern schauen uns weltweit nach passenden Unternehmen um.
Eine Firma kann ebenfalls in den Index aufgenommen werden, wenn sie relativ viele Wassertechnologie-bezogene Patente besitzt.
Teamlead für die Entwicklung von STOXX-Indizes bei STOXX Ltd.
Oft sind im Wasserbereich Mischkonzerne tätig, die aber vielleicht in Bezug auf das Gesamtgeschäft nur einen kleinen Umsatzanteil im Bereich Wasser tätigen. Gibt es eine Mindestgröße, um in den Index aufgenommen zu werden?
Für Firmen, die sich bereits im Index befinden, fordern wir einen Umsatzanteil im Bereich Wasser von wenigstens 20 Prozent. Für Firmen, die neu aufgenommen werden, müssen es mindestens 25 Prozent sein. Eine Firma kann ebenfalls in den Index aufgenommen werden, wenn sie zu den obersten zehn Prozent der sogenannten „High Quality Patenten"-Kategorie gehört bzw. relativ viele Wassertechnologie-bezogene Patente besitzt.
Wie viele Unternehmen sind nun im Index? Und können Sie uns ein paar Beispiele nennen?
Stand heute sind 59 Unternehmen im Index. Darunter sind natürlich die Klassiker, aber auch Firmen, die man mit diesem Thema nicht in Verbindung bringen würde. Aus den USA ist Ecolab im Index vertreten, die ein Patent zum Verfahren zur schnellen Erkennung von Bakteriensporen entwickelt haben. Aus Europa hat es Geberit mit ihren Patenten in den Index geschafft.
Der STOXX Future Water ist ein ESG-Index. Das steht für Environmental, Social und Governance. Es müssen also Schutz von Umwelt, Gesellschaft und gute Unternehmensführung gewährleistet sein. Geht das mit so großen Mischkonzernen überhaupt?
Kurz gesagt: ja. Wir machen grundsätzlich ein Screening der Umsätze, und schließen Unternehmen mit Engagement in Tabak, Steinkohle und anderen fossilen Brennstoffe, Atomkraft und Waffen aus. Darüber hinaus beachten wir noch Daten zur CO²-Intensität. Wir nutzen das Rating von ISS Sustainability, um sicherzustellen, dass diese Nachhaltigkeitskriterien eingehalten werden.
Für die Umsetzung in ETFs sind die verschiedenen Indexvarianten wichtig. Welche bieten Sie?
Wir berechnen regelmäßig drei Varianten: den Kursindex, in dem Dividenden nicht in den Index reinvestiert werden, ein „Gross Return Index" („Brutto"), in den die Dividenden voll reinvestiert werden und schließlich den „Net Return", in den die Dividenden nach Abzug der Steuern reinvestiert werden.
Zum Schluss: Haben Sie auch einen Backtest gemacht, in dem das Verhalten in unterschiedlichen Marktphasen simuliert wird?
Ja, auch das gehört zur Indexentwicklung und unserem Angebot. Für den STOXX Future Water ESG haben wir die Indexkurse zurück bis Mitte 2021 ermittelt. Da ist die Pandemie noch zum Teil enthalten. Im Vergleich zu den großen Standardindizes gab es keine Auffälligkeiten, eher ein bisschen mehr Resilienz.
