Kolumne Dr. Bernhard Jünemann | Balance halten
Die Szene erinnerte an Computerspiele. US-Präsident Donald Trump und seine engsten Mitarbeiter verfolgten am Anfang des Jahres am Bildschirm die Gefangennahme des venezolanischen Diktators Maduro. „Games of Trump" dichtete man im Netz in Anlehnung an eine erfolgreiche Fantasy-Serie und diverse Battle-Animationen. In der Tat: Donald Trump prägt mit seinen Aktionen weiterhin die Politik. Viele fragen sich: Was wird er noch alles an Überraschungen parat haben, um nicht von Irrungen und Wirrungen zu sprechen?
Das dürfte auch die Börsen im neuen Jahr beeinflussen, wie sie es schon im letzten Jahr getan haben – im Negativen wie im Positiven. So stürzten die Kurse Anfang April am sogenannten „Liberation Day", als Trump seine Zollpolitik verkündete. Der Einbruch veranlasste ihn, zurückzurudern. Die Kurse erholten sich und das Thema „Künstliche Intelligenz" gewann die Oberhand, nachdem der Präsident den willfährigen Technologiekonzernen jede unternehmerische Freiheit einräumte. Überdies halfen die Notenbanken mit Zinssenkungen.
Zwei Investmenttrends lassen sich daraus schon mal ableiten. Die Unsicherheit bleibt hoch, entsprechend wird nach Sicherheit gesucht. Und die liefert für viele eben weiterhin das Gold. Weltweit wird zudem massiv aufgerüstet. Vor allem Europa muss sich vorbereiten. Das wird die Nachfrage nach Rüstungsaktien tendenziell stärken. Immerhin schaffte der DAX in der ersten Woche des Jahres die 25.000 Punkte, vor allem wegen der Rüstungsaktien, wie es in den Berichten hieß.
Doch mit diesen zwei Anlagen allein lässt sich langfristig noch kein krisenfestes und renditestarkes Depot gestalten. Dazu gehört eine Strategie mit hoher Diversifikation, mit soliden Anlagen. Diese kann eventuell durch risikoreichere Elemente ergänzt werden. Dazu bieten sich für die meisten privaten Anlegenden Investments in ETFs an, die nicht auf einzelne Aktien, sondern breite Indizes setzen. Im Kern geht es immer mit einer Grundausstattung aus Anleihen und Aktien los, um eine Mischung je nach Risikobereitschaft und Sicherheitsbedürfnis herzustellen. Wie die gestaltet wird, dazu bietet sich gerade ein Jahreswechsel gut zur Überprüfung an. Gehen wir von einem Verhältnis 40 Prozent Anleihen zu 60 Prozent Aktien aus. Dann fragt sich immer, ob dieses Verhältnis am Ende eines Börsenjahres noch gilt. Wenn die Aktien besonders stark gestiegen sind wie 2025, dann sollten Anlegende handeln. Rebalancing ist das Motto, die Anpassung zurück auf des bevorzugte Verhältnis. Nach 2025 müsste dann der Aktienanteil leicht verringert werden.
Konkret bietet sich beim Anleiheteil an, stärker auf Unternehmenstitel zu setzen, die etwas höhere Rendite als Staatspapiere bieten. Bei den Aktien stellt sich die Frage, ob der klassische MSCI World mit dem starken Amerikaanteil auf eine breitere Basis mit mehr Europa gestellt werden soll. Generell ist immer die Frage, ob dividendenstarke Titel, für die es eigene Indizes gibt, bevorzugt werden sollten.
Mit einem so gestalteten Kern lassen sich auch heftige Schwankungen gut meistern. Hinzu kommen dann die Satelliten, die durchaus spekulativer sein können, aber im Gewicht auch begrenzt bleiben. Dazu können Goldminen-ETFs oder Rüstungs-ETFs gehören, aber auch andere Themen und Länder je nach Entwicklung. Hier ist es oft nötig, auch innerhalb eines Jahres aktiv umzuschichten.
Aber Anlegende sollten sich klar sein, dass jeder Hype früher oder später auch zu Rückschlägen führt.
Die „Games of Trump" werden sicherlich das Spiel an der Börse weiter beeinflussen. Aber Anlegende sollten sich klar sein, dass jeder Hype früher oder später auch zu Rückschlägen führt. Wer erfolgreich mitspielen will, sollte nicht nur mit Gewinnen sondern auch Verlusten rechnen und letztlich immer so agieren, dass es niemals heißt: Game over.
