Kolumne Dr. Bernhard Jünemann | Spekulieren mit Themen
„Spekulieren ist kein Spiel, es ist eine Maßnahme zum Schutz des Vermögens.“ Diese Aussage hat einst der Altmeister der Börse André Kostolany getroffen. Viele Anlegende jedoch lieben das Spiel über alles. Sie setzen auf heiße Tipps, auf vermeintliche Überflieger-Firmen und hoffen, dicke Gewinne einzufahren. Das geht manchmal gut, manchmal nicht oder besser meistens schief. Auf jeden Fall ist es wenigstens richtig aufregend.
Wer in ETFs investiert, denkt jedoch anders. Anlegende wissen um die Gefahren von Tipps, sie wissen, dass Anlagen in Einzelwerte gründliche Analysen erfordern, die sie nicht leisten können. Deshalb setzen sie auf breite Indizes, die Märkte abbilden und bleiben möglichst langfristig dabei. Die Erfahrung lehrt, dass sie über alle Schwankungen hinweg mit so breit diversifizierten Aktien ordentlich Gewinne erzielen sollten.
Zugegeben, das kann ein bisschen langweilig sein, wenn sonst jeden Tag neue fantastische Gewinnchancen propagiert werden. Doch diese Vorgehensweise hat sich für den Vermögensaufbau mit Aktien und Anleihen bewährt.
Wer ein bisschen mehr Pep im Depot haben möchte, muss sich nicht unbedingt mit Einzelaktien befassen. Ihnen bieten sich Themen-ETFs an, die Branchentrends mit immer noch ordentlicher Diversifikation verbinden und den Umgang mit Gewinnen und Verlusten besser als mit Einzelaktien managen lassen.
An Anlagethemen mangelt es ETF-Investorinnen und -Investoren nicht: Von den insgesamt 2.465 an der Deutschen Börse gehandelten ETFs ordnet die Börse rund 230 Fonds 33 Branchen zu. Neben internationalen Trendthemen wie „Artificial Intelligence + Quantum Computing“ oder „Automation + Robotics“ finden sich dabei auch Segmente wie Luft- und Raumfahrt, Verteidigung oder Wasser.
Die Auswahl unterscheidet sich je nach Branchendefinition erheblich: In einigen Kategorien steht nur ein ETF zur Verfügung, im Durchschnitt können Anlegende jedoch zwischen sieben Produkten wählen. Besonders breit ist das Angebot im Bereich Alternative Energie, der mit 24 ETFs die größte Auswahl bietet.
Zunächst müssen sich Anlegende über das Thema und die Branche klar werden. Zurzeit ist Künstliche Intelligenz in aller Munde, und wer vor einem Jahr darauf gesetzt hat, kann sich über ordentliche Gewinne freuen. Ob die Begeisterung überzogen ist und es zu heftigen Rückschlägen kommen könnte, wird am Markt derzeit konträr diskutiert.
Ein wichtiges Kriterium ist, sofern die Daten vorliegen, ob die Unternehmen im Index auch Gewinne erzielen oder ob die Kurse vor allem durch die Hoffnung auf große Gewinne in der Zukunft getrieben werden. Solange Gewinne nur Hoffnung sind, sollten Anlegende zurückhaltend agieren und die Positionen kleiner halten.
Viel Bewegung gibt es auch bei den angeblich soliden Themen wie zum Beispiel Alternative Energie, ein Thema, das seit rund zehn Jahren als ETF auf dem Markt ist. Zu Beginn gab es eine Euphorie. Die Kurse wurden stark nach oben getrieben. Wer damals einstieg, musste jedoch mit der Phase der Ernüchterung auch fallende Kurse von bis zu 50 Prozent hinnehmen. Zwischenzeitlich haben sich die Kurse wieder deutlich erhöht, aber noch nicht wieder das Spitzenniveau erreicht, so dass für den Einstieg am Gipfel noch Verluste bleiben. Wer seit 2016 geduldig zehn Jahre dabei blieb, wurde bis heute mit einem Kursgewinn von 92 Prozent belohnt. Das kann sich sehen lassen.
Von Zeit zu Zeit sollte man überprüfen, ob der ursprüngliche Trend über heftige Rückschläge hinweg noch intakt ist.
Auch bei einem Themen-ETF lohnt sich also Geduld, sofern dahinter ein langfristiger Trend wirksam ist. Bei einem späteren Einstieg muss auf das Momentum des Marktes geachtet werden. Oft ist antizyklisches Kaufen nach kräftigen Rückschlägen lohnend. Von Zeit zu Zeit sollte man überprüfen, ob der ursprüngliche Trend über heftige Rückschläge hinweg noch intakt ist.
Langfristig ist für den Vermögensaufbau jedoch immer die Gestaltung des gesamten Portfolios entscheidend. So reizvoll Themen sein können, der Anteil eines entsprechenden Fonds sollte fünf Prozent nicht überschreiten.
