Kolumne Dr. Bernhard Jünemann |
Halbjahresausblick: Weiter so?

Die Entwicklung der internationalen Börsen im ersten Halbjahr 2026 ist bemerkenswert gut verlaufen. Natürlich löste der Iran-Krieg im Februar mit der Blockade der Straße von Hormus, der Explosion der Ölpreise und anziehenden Inflationsraten zunächst große Sorgen aus. Zeitweise kam es zu heftigen Kursverlusten. Doch als aus dem heißen Krieg ein brüchiger Waffenstillstand wurde, beruhigte sich die Lage an den Börsen zusehends. Die Ölpreise kamen deutlich zurück. Positiv wirkte das Thema Künstliche Intelligenz. Aktien mit KI-Hintergrund waren weiter gefragt und zogen die Kurse hoch.

Am stärksten profitierte davon die japanische Börse. Der Nikkei 225 verbesserte sich im ersten Halbjahr um fast 40 Prozent. Dem Markt am Kabutocho kam zugute, dass viele japanische Firmen ihre hohen Geldbestände für Aktienrückkäufe nutzten. Auch Europa war Profiteur. Der EURO STOXX 50 legte um 22,8 Prozent zu. Ihm half auch der KI-Boom, der Schwergewichte wie ASML oder Infineon nach oben trieb. Außerdem galt Europa als unterbewertet und lockte Investoren an, die Amerika für zu heiß empfanden. Mit einem Plus von zehn Prozent hinkte der DAX hinterher. Das stagnierende Wachstum in Deutschland forderte Tribut.

Amerika war zurückhaltender. Der Dow Jones schaffte zwar ein Plus von 18,9 Prozent, aber die Technologiebörse Nasdaq mit dem Nasdaq Composite brachte nur 6,4 Prozent auf die Waage. Ihr machten Gewinnmitnahmen zu schaffen, was angesichts der kräftigen Kurssteigerungen zuvor kein schlechtes Zeichen sein muss, sondern als zeitweilige Atempause gelten könnte.

Die Beruhigung zeigte sich auch an der Entwicklung des Goldpreises, der als Krisenindikator schlechthin gilt. Als der Irankrieg in der Luft lag zog der Unzenpreis auf fast 5.600 Dollar an. Ende Juni lag er wieder bei fast 4.000 Dollar. Viele Anlegende hatten umgeschichtet und bessere Renditemöglichkeiten gefunden.

Was bringt nun das zweite Halbjahr? Weiter so? Lassen Sie uns die Risiken und Chancen unter die Lupe nehmen. Die jüngsten Inflationsdaten zeigen, dass der Iran-Konflikt die Teuerung nicht weiter hochtreibt. Dies sollte die Gefahr von massiven Zinserhöhungen der Notenbanken verringern. Der KI-Boom hat teilweise zu Überbewertungen geführt, aber getrieben wird er von Investitionen von Firmen, die ordentliche Gewinne erwirtschaften. Dies ist der Unterschied zu dem oft zitierten Internetcrash Anfang der 2000er Jahre. Eine wie immer geartete Öffnung der Straße von Hormus sollte positive Konjunkturimpulse für die Weltwirtschaft bringen.

Natürlich kann das vage Iran-USA-Abkommen jederzeit wieder in einen heißen Krieg mit Blockaden für den Schiffsverkehr umschlagen. Ein weiteres Risiko ist der heißgelaufene Markt für Privatkredite in den USA. Wenn dort Insolvenzen um sich greifen, wird es zu negativen Reaktionen an den Börsen kommen. Als Risiko bleibt den Märkten natürlich auch der irrlichtende US-Präsident erhalten, der kürzlich Amerikas Anspruch auf Grönland bekräftigte. Aber vielleicht wird Trump nach den Zwischenwahlen im November zur lahmen Ente. Die kann dann quaken, aber wenig bewirken.

Sie sollten sich erinnern, dass Prognosen statistisch im Durchschnitt zur Hälfte richtig und zur Hälfte falsch sind.

Das alles spricht dafür, dass Anlegende gelassen auf das zweite Halbjahr blicken können. Dennoch müssen sie auch negative Szenarien im Blick behalten. Sie sollten sich erinnern, dass Prognosen statistisch im Durchschnitt zur Hälfte richtig und zur Hälfte falsch sind.

Für ETF-Anlegende kann es vor diesem Hintergrund erst einmal „weiter so“ heißen. Sie sind in der Regel langfristig orientiert und haben sich breit aufgestellt. Sie wissen, dass sich kurzfristige negative Reaktionen an den Aktienmärkten langfristig nivellieren. Bewährt hat sich dabei eine Kern- und Satellitenstrategie. Im Kern liegen dabei die sicheren Anlagen, Anleihen und dividendenstarke Fonds. Satelliten repräsentieren risikoreichere Varianten, die heftiger schwanken können. Natürlich muss die Zusammensetzung immer wieder überprüft werden. Zurzeit stellt sich die Frage weiterhin, ob Europa und Emerging Markets stärker als die USA gewichtet werden sollten.

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