Kolumne Dr. Bernhard Jünemann | Mehr Mut zur Altersvorsorge
Viele ETF-Nutzer, die jetzt von den Plänen zu neuen privaten Altersvorsorge lesen, werden sich sagen: „Habe ich doch schon gemacht mit ETF-Sparplänen ganz ohne Förderung!" In der Tat: ETF-Sparpläne boomen. Ende letzten Jahres gab es fünf Millionen davon in Deutschland. Sie wurden nicht unbedingt explizit mit Blick auf die Altersvorsorge abgeschlossen, sondern dienen erstmal dem systematischen und nachhaltigen Vermögensaufbau. Aber ein Vermögen im Alter kann bekanntlich nicht schaden und sichert finanzielle Freiheit.
Dass die gesetzliche Rente zunehmend unter Druck gerät, ist nun wahrlich keine neue Erkenntnis. Sie führte bereits 2002 unter dem damaligen Arbeitsminister Riester zu einer Förderung privater Altersvorsorge, die dann als Riester-Rente in die Geschichte einging. Gut gemeint war sie auf jeden Fall, aber gut gemacht? Darüber gab es schon damals Zweifel, der sich immer stärker bestätigte. Die Riesterrente bot zwar hohe Sicherheit, jedoch genau deswegen mickrige Erträge und war hochkompliziert.
Man darf sich schon fragen, warum es 24 Jahre brauchte, bis sich die Regierung endlich zu einer Reform durchringen konnte. Kein Wunder, dass sich die jüngere Generation nicht auf komplizierte Riester-Verträge verlassen wollte und sich unkomplizierte ETF-Sparpläne zu Nutze machte. Kostengünstige ETFs waren übrigens zu Beginn der Riesterrente noch kaum bekannt, das Angebot bescheiden. Erst 2000 waren die ersten Indexfonds dieser Art in Deutschland auf den Markt gekommen. Als ich 2004 bei Börse Online den Bereich ETF übernahm und erste Artikel dazu schrieb, waren diese Fonds immer noch ein Nischenprodukt und eine Prognose von Deborah Fuhr, Head of Global Exchange Trade Funds Research bei Morgan Stanley, klang exotisch: „ETFs werden zum Massenprodukt wie Computer – jeder wird sie nutzen." Aber genauso kam es.
Nun darf man vermuten, dass ETFs bei den geplanten Altersvorsorgedepots künftig eine wichtige Rolle spielen werden. Was ist geplant? Neben garantierten Vorsorgedepots soll es künftig auch Produkte ohne Garantie, aber mit höherer Renditechance geben. Die Auszahlung im Alter soll flexibler werden. Auch die Förderung wird vereinfacht. Für jeden selbst gesparten Euro gibt es anfangs 50 Cents vom Staat dazu. Ab 360 Euro bis 1800 werden es dann 25 Cents sein. Dazu gibt es Kinderzulagen für Familien. Auch Selbständige können diese Angebote nutzen. In Kraft treten soll die neue Altersvorsorge ab 2027. Bis dahin wird es entsprechende Produktangebote geben. Die Gebühren für die neuen Depots werden auf höchsten ein Prozent gedeckelt. Riester-Verträge können ohne Nachteile auf das die neue Altersvorsorge übertragen werden.
Schon die Deckelung der Gebühren wird dazu führen, dass diese Angebote wenigstens teilweise oder ganz mit ETFs arbeiten werden, wenn man bedenkt, dass der klassische Aktienfonds zurzeit kaum unter 1,5 Prozent Verwaltungsgebühr zu haben ist. Im Idealfall wird es auch einen Wettbewerb mit kostengünstigeren Angeboten geben.
Denn die Statistik zeigt, dass Aktien in diesem Zeitraum Renditen bis zu zehn Prozent pro Jahr liefern.
Die Frage, ob ein Produkt ohne Garantie in Frage kommt, muss jeder Anlegende genau prüfen. Entscheidend ist dabei der Zeithorizont. Aktienmärkte schwanken bekanntlich und die Reaktionen können wie zurzeit sehr heftig sein. Da kann auf kurze Sicht eine gewisse Garantie hilfreich sein, auch wenn die Rendite geringer ausfällt. Wer jedoch einen Horizont von 20 Jahren und mehr hat, kann bei Produkten mit Aktien ohne Garantie zugreifen. Denn die Statistik zeigt, dass Aktien in diesem Zeitraum Renditen bis zu zehn Prozent pro Jahr liefern. Trotz aller Schwankungen dürfte sich so mehr Mut bei der Altersvorsorge auszahlen.
