Kolumne Dr. Bernhard Jünemann | Indexwahl mit Spaß
Ich werde oft von jungen Leuten am Anfang ihres Berufslebens gefragt, wie sie ihr Geld sparen sollen. Sie haben natürlich von ETFs gehört, das gehört heute zum Allgemeinwissen, aber fragen sich, welchen sie wählen sollen, zum Beispiel für einen Sparplan, der dann über viele Jahre laufen sollte. Die Frage stellt sich demnächst auch für das neue staatlich geförderte Altersvorsorgesparen, bei dem wenigstens ein kostengünstiger ETF im Depot liegt und Monat um Monat aufgestockt wird.
In der Regel haben die jungen Anlegenden natürlich vom MSCI World-ETF gehört und wollen diesen besparen. Das ist auf jeden Fall schon mal gut. Aber ich kann mir dann nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass dieser Index eher fokussiert ist, sich auf 1.300 Aktien aus 23 Industrieländern konzentriert und einen hohen USA-Anteil von fast 70 Prozent hat. Möglicherweise könnte ein breiterer Weltindex mit bis zu 5.000 Aktien, der auch Emerging Markets und kleinere Aktien umfasst, eine Alternative sein.
Und um die Verwirrung perfekt zu machen, kommt noch der Hinweis auf die Gewichtung nach Marktkapitalisierung. Danach bestimmt der Börsenwert einer Aktie das Gewicht im Index. Kursstarke Unternehmen werden tendenziell immer stärker berücksichtigt. Das kann zu Klumpenrisiken führen, wobei man auch sagen muss, dass es ebenso eine Klumpenchance sein kann, die letztlich den Index und damit den ETF besonders kräftig nach oben treibt.
Wie wäre es also mit einem Index, in dem die Aktien immer wieder gleichgewichtet werden? Solche Weltindizes sollten in Krisenzeiten stabiler laufen, aber in Boomzeiten, die durch bestimmte Aktien angeheizt werden, auch schlechter abschneiden.
Gleichwohl ist wichtig und richtig, dass die jungen Anlegenden überhaupt erst einmal anfangen mit Aktien zu sparen.
Ich gestehe zu, dass solche Hinweise vor allem dazu geeignet sein sollen, dass die jungen Anlegenden nicht zu selbstsicher werden, wie wir das in unseren jungen Jahren auch gern waren. Beim Aktiensparen über die Jahre hinweg nivellieren sich die Risiken ohnehin durch den sogenannten Cost-Average-Effekt. Schließlich bleibt es in der Regel auch nicht bei einem Sparplan, sondern daraus wird nach und nach ein breites Depot, in dem Aktien- und Renten-ETFs liegen, ergänzt durch Themen-Fonds, die spezielle Chancen im Blick haben.
Gleichwohl ist wichtig und richtig, dass die jungen Anlegenden überhaupt erst einmal anfangen mit Aktien zu sparen und so ein Gefühl für die Vorteile einer breiten Geldanlage entwickeln. Das dient nicht nur der Vorsorge, sondern sollte auch Spaß machen.
