Kolumne Dr. Bernhard Jünemann |
Gelassenheit ins Depot

Seit Donald Trump vor einem Jahr den Liberation Day und seine Zollpläne verkündet hat, sind die Börsen ziemlich schwankungsanfällig geworden, noch gesteigert durch den Iran-Krieg. Doch haben sich die Märkte erstaunlich gut gefangen, sodass die Ergebnisse per Saldo recht solide waren. Trotzdem sehnen sich viele private Anlegende nach mehr Stabilität. Hilfreich dafür sind eine breite Diversifikation und Produkte im Depot, die regelmäßige Ausschüttungen liefern. Das sind gut verzinste Anleihen und dividendenstarke Aktien. Eine Strategie dazu lässt sich auch mit ETFs verwirklichen.

Regelmäßige Zahlungen mögen zwar als Stabilität gewertet werden, risikolos sind die entsprechenden Produkte aber nicht. Schauen wir zunächst auf Anleihe-ETFs. Drei Risiken gilt es zu beachten: Zinsänderungen, Bonität der Schuldner und Währungen. Wenn die Zinsen steigen, reagieren bestehende Anleihen mit Kursverlusten. Das wirkt sich auch in ETFs aus, in denen die Anleihen erst nach und nach ausgetauscht werden.

Wichtig ist die Bonität der Schuldner, also ihre Fähigkeit, Zinsen zu zahlen und am Ende das Kapital zurückzugeben. Bonds von Emerging Markets zum Beispiel bieten überdurchschnittliche Renditen, aber nicht selten droht Zahlungsunfähigkeit. Älteren Anlegenden ist vielleicht noch der Zahlungsausfall von argentinischen Staatsanleihen Anfang der 2000er-Jahre in Erinnerung. Zurzeit locken eigentlich solide amerikanische Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit mit Renditen von fast sechs Prozent. Das ist der Preis dafür, dass die US-Staatsschulden in den letzten Jahren explodiert sind. Auch die Unternehmensanleihen oder sogenannte High-Yield-Bonds müssen mehr Zinsen bieten, damit sie Abnehmer finden. Solide Schuldner wie die Bundesrepublik finden für zehnjährige Anleihen mit Zinsen von drei Prozent immer genug Investoren, die auf höchste Sicherheit setzen.

Schließlich kommt das Währungsrisiko dazu. Auch wenn alle hierzulande vertriebenen ETFs auf Euro lauten, ist es vorhanden, je nach den Herkunftsländern der Papiere. Wie wir wissen, kann auch der US-Dollar ziemlich schwach werden. Dieses Risiko lässt sich vermeiden, wenn man nur in Euro-Anleihen investiert.

Generell lässt sich festhalten, dass Anleihe-Investitionen, vor allem über sehr lange Zeiträume, ein Stück unkalkulierbar sind. Das soll neuerdings durch sogenannte iBonds-ETFs besser einschätzbar sein, die im Unterschied zu klassischen ETFs feste Laufzeiten bieten.

Bonitätsrisiken gibt es auch bei Aktien-Dividenden. Aber diese werden durch die Auswahlkriterien für spezielle Dividenden-ETFs gebremst. Zum Beispiel müssen die 30 Aktiengesellschaften im EURO STOXX Select Dividend 30 Index unter anderem in den letzten fünf Jahren kein negatives Dividendenwachstum gezeigt haben, und die Ausschüttung darf nicht größer als 60 % des Gesamtgewinns sein. Ein Währungsrisiko gibt es in diesem Fall nicht, aber wohl bei weltweit ausgerichteten Dividenden-ETFs.

Aber es helfen die regelmäßigen Dividendenzahlungen bis zu viermal pro Jahr.

Was auf jeden Fall bleibt, ist das Kursrisiko der Aktienanlage. Wenn die Märkte krachen, leiden auch Dividenden-ETFs. Es ist nicht ausgemacht, dass sie generell weniger schwanken als Standardindizes. Aber es helfen die regelmäßigen Dividendenzahlungen bis zu viermal pro Jahr. Renditen von bis zu fünf Prozent auf das eingesetzte Kapital sind möglich. Solche Dividenden-ETFs eignen sich deshalb für die Langfristanlage, zumal Studien immer wieder zeigen, dass Verwerfungen am Aktienmarkt nach zehn bis 15 Jahren auf jeden Fall ausgeglichen werden.

Fazit: Dividenden- und Zinszahlungen verhelfen zu mehr Gelassenheit bei der Geldanlage. Aber Anlegende sollten vorher immer genau die Risiken der entsprechenden Produkte abschätzen.

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