Kolumne Dr. Bernhard Jünemann | Alles Gold – oder was?
Gold hat etwas Mystisches, das alle Kulturen dieser Welt durchzieht, ein Symbol für Reichtum, Macht und Wertbeständigkeit. Ablesen kann man das an vielen Redewendungen. „Morgenstund hat Gold im Mund" oder „Reden ist Silber – Schweigen ist Gold", aber auch: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt."
Was ist Gold? Ein Edelmetall, das sich nicht beliebig vermehren lässt. Das macht es als Tausch- und Zahlungsmittel beliebt. Münzen mit unterschiedlichem Goldgehalt wurden geprägt. Als Ende des 18. Jahrhunderts das Papiergeld populär wurde, wurden diese Währungen mit einem Goldstandard besichert, Systeme, die meist bedingt durch Kriege immer wieder in die Brüche gingen. Das letzte dieser Systeme war 1944 das Abkommen von Bretton Woods, das Gold und den dominierenden US-Dollar zusammenband und eine Parität von 35 Dollar pro Unze festlegte. Daran schlossen sich viele Währungen mit fixen Kursen an. Aber auch dieses System brach 1971 / 73 zusammen.
Gold wurde danach zum Preis von 35 Dollar erst einmal als normale Ware betrachtet, vor allem geprägt durch die Produktionskosten. Doch angesichts zunehmender Finanzkrisen legten sich viele Investoren und Notenbanken Goldreserven an. Steigende Preise folgten und riefen Spekulanten auf den Plan, die daran – oft gehebelt – verdienen wollten.
Damit sind wir im Hier und Jetzt. Wegen immer häufigerer Krisen, hoher amerikanischer Schulden und Schwäche des Dollars, nahm die physische Nachfrage nach Gold zu und wurde zum Spekulationsobjekt. Der Goldpreis begann ab 2024 exponentiell zu steigen. Er schoss von 2000 auf 5400 Dollar im Januar 2026 hoch, um dann in wenigen Stunden 13 Prozent auf 4700 Dollar zu fallen. Noch schlimmer erwischte es den kleinen Bruder des Goldes, das Silber, das fast 40 Prozent verlor.
Viele Anlegende fragen sich jetzt: Eine Einstiegschance? Oder bloß raus, bevor es noch schlimmer wird? Halten wir fest: Die heftige Reaktion ist angesichts des exponentiellen Anstiegs bisher eine normale Marktreaktion. Der Goldpreis kann nach einigen Wochen der Unsicherheit wieder deutlicher nach oben gehen. Viele Analysten argumentieren, die fundamentale Unsicherheit halte an, so dass die Preise binnen Jahresfrist auch auf 6500 Dollar steigen könnten.
Zunächst sollte jeder Anlegende genau prüfen, warum er Gold kaufen will. Will er Gold zur absoluten Sicherheit, erwartet er eine große Krise, ja einen Zusammenbruch des Finanz- und Währungssystems? Wenn ja, sollte er Gold physisch kaufen, als Barren oder Münzen. Die müssen dann an einem sicheren Ort aufbewahrt werden, zum Beispiel in der Schweiz, um sich vom Eurosystem abzukoppeln. Das kostet hohe Gebühren, aber das muss es dem Sicherheitsfanatiker eben wert sein.
Wer auf die Preisentwicklung beim Gold setzen will, hat eine große Auswahl von Instrumenten: Optionsscheine, Zertifikate, ETCs - Exchange Traded Commodities. Das sind im Prinzip Derivate, Schuldverschreibungen, die einen gut funktionierenden Finanzmarkt voraussetzen. Zusätzliche Sicherheit bieten ETCs, die mit einem Auslieferungsanspruch von physischem Gold gekoppelt sind.
Wer auf bewährte solide ETFs setzen will, kann dies nicht direkt in Bezug auf den Goldpreis tun. Denn nach europäischem Recht müssen Fonds diversifiziert sein, sie können nicht nur auf einen einzelnen Rohstoff setzen. Dazu bieten sich dann Goldminen-ETFs an. Die Aktienkurse von Goldminen folgen dem Goldpreis, schwanken aber heftiger, weil noch unternehmensspezifische Faktoren zur Geltung kommen. Zurzeit sieht die Situation von Goldminen günstig aus. Bei Produktionskosten deutlich unter 2000 Dollar und einem Unzenpreis von 5000 Dollar verdienen sie prächtig. Ihre Kursgewinn-Verhältnisse liegen meist im einstelligen Bereich.
Lege nie alle Eier in einen Korb! – selbst wenn sie aus Gold sind.
Aber Anlegende aufgepasst! Sie sind im hochspekulativen Bereich. Es kann auch anders kommen. Deshalb ist es ratsam, weiterhin breit diversifiziert über unterschiedliche Branchen und Anlageklassen hinweg zu agieren. Das Goldengagement sollte begrenzt bleiben. Da gilt schließlich der bewährte Börsenspruch: Lege nie alle Eier in einen Korb! – selbst wenn sie aus Gold sind.
